GEMEINDEHAUS GAU-BICKELHEIM

Projektleitung LPH 3 - 7
im Büro Bayer & Strobel Architekten

Bauherr: Kath. Kirchengemeinde Gau-Bickelheim
BGF: 386 qm

Haus und Kirche
Zukünftig soll das Gemeindehaus das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens in der Kirchengemeinde Gau-Bickelheim bilden. Aus diesem Grund wird es in der unmittelbaren Nähe der Kirche St. Martin platziert, so dass eine enge funktionale und räumliche Symbiose aus Altem und Neuem entsteht. Durch das Heranrücken des Gemeindehauses an den Chor mit seinem Fünf-Achtel-Schluss kann eine völlig neue, gleichsam einladende und schützende räumliche Situation entstehen. Ein neues, verbindendes Dach fasst den Chor, die Sakristei und das neue Gemeindehaus zusammen und erinnert an einen Kreuzgang. Trotz der recht dichten Bebauung wird durch die geschickte Anordnung der Innen- und Außenräume eine vielfältige Raumfolge entstehen, die zu unterschiedlichsten Nutzungen durch die Gemeindeglieder einlädt. Ein Einschnitt im Dach markiert den Zugang und erzeugt zum Flonheimer Weg einen kleinen Vorplatz. Tritt der Besucher nun unter dem Dach hindurch eröffnet sich dahinter der Blick in den Hof, den ihn umgebenden dreiseitigen Kreuzgang und den Chorabschluss der Kirche. Eine Verblendung aus Sandstein soll die Außenwand der Sakristei mit den übrigen Raumbegrenzungswänden angleichen. Ein Baum und eine Bank laden zum Verweilen ein.

Das Vordach leitet den Besucher zum Eingang und zum Foyer. Von hier aus sind die Büros des Pfarrers und des Gemeindereferenten leicht aufzufinden. Archiv und Besprechungsraum sind ebenfalls in diesem – durch eine Tür vom übrigen Gemeindehaus zu trennenden – Flügel angeordnet. An der anderen Seite des Foyers befindet sich der Gemeindesaal. Zwei großzügige Öffnungen bieten Ausblick in den Garten und den Kreuzgang und schaffen so eine angemessene Atmosphäre. Im Süden ist unter einem tiefen Vordach dem Saal eine wettergeschützte Loggia vorgelagert, die Veranstaltungen im Freien auch bei ungünstigem Wetter Platz bietet. Durch eine Faltschiebewand sind das Stuhllager und der Instrumentenraum vom Saal abgetrennt. Die Schiebewand lässt sich an der Außenwand des Saals so parken, dass Sie eine „Bühnenrückwand“ bildet und der Saal dann eine Größe von fast 100 m2 hat. Unmittelbar angrenzend zum Saal liegt die kleine Küche mit Lagerraum. Bei Bedarf ist hier auch eine direkte Ausgabe in den Saal möglich.

Hof und Garten Die Flächen im Hof sind mit kleinformatigem Natursteinpflaster geplant –gefasst vom präzise begrenzten Beton des Kreuzgangs. Die Oberfläche des Belags bietet so eine angenehme Imperfektion und einen spannenden Kontrast zu den Kanten des Neubaus. Demgegenüber ist der Garten außerhalb des Ensembles bewusst „wild“ gehalten. Eine einfache Wiese mit einigen Einzelbäumen bildet den großzügigen grünen Rahmen für das Ensemble aus Sandstein. Es soll weitestgehend auf Wege, Einfassungen etc. verzichtet werden. Der dem Saal zugeordnete Außenraum ist dieser Logik folgend in das Gebäude hineingenommen und erfordert darüber hinaus keine aufwändig angelegten Freiflächen. Diese Art der Gestaltung lässt insgesamt einen sehr einfach Unterhalt erwarten.

Material und Konstruktion Der Baukörper des Gemeindezentrums nimmt durch die Gliederung in Sockel, aufgehende Wand und oberen Abschluss Bezug zur Kirche St. Martin und strahlt so in ihrer plastischen Gesamtheit Solidität und Dauerhaftigkeit aus. Auch wenn der gelb-graue Sandstein in seiner Farbe direkt in Anlehnung an die Kirche gewählt wurde, soll die interpretierende Verarbeitung in Form präziser Quader ein zeitgemäße Erscheinungsbild erzeugen. Die Fassung des aufgehenden Mauerwerks durch Bänder aus durchgefärbtem Sichtbeton unterstützen diese Absicht.

Die raumhohen Öffnungen zwischen den Mauerwerksfeldern werden mit Fensterlementen aus Holz geschlossen. In den Büros soll neben dem festverglasten Feld ein Element aus Lüftungsklappe und Wetterschutzgitter eine freie Nachtlüftung ermöglichen. Darüber hinaus birgt das Fensterelement auch die Führung für einen innenliegenden Sonnenschutz aus reflektierendem Gewebe. So kann in diesem würdigen Kontext auf einen aussenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden.

Auch die Materialien im Innenraum sollen eine dauerhafte und angemessene Atmosphäre schaffen. Alle Decken sind in sichtbarem Beton belassen und wirken gemeinsam mit den gemauerten, verputzten Wänden als thermische Speichermasse. Die Böden sind als einfacher, geschliffener Monolithbeton ausgeführt; lediglich in den Büros wird die Verwendung von Teppichboden vorgeschlagen. Das einfache, hölzerne Tragwerk des Saals soll ebenfalls sichtbar bleiben und durch seine Profilierung eine gute Akustik gewährleisten.

Foto: Peter Strobel / Bayer & Strobel Architekten